1. Wien sei nicht mit der Schweiz zu vergleichen, da die Wiener Drogenszene unproblematischer sei. Da es bei den Eidgenossen nun staatliche Konsumräume gibt, würde der Konsum im öffentlichen Raum gnadenlos verfolgt.
Ob es Drogenkonsumräume braucht oder nicht, sollte von der Risikolage der DrogenkonsumentInnen abhängig gemacht werden. Das heißt aufgrund von gesundheitlichen Risiken zu entscheiden und nicht aufgrund von Ordnungspolitischen. Der intravenöse Konsum ist in Wien und auch in anderen Teilen Österreichs weit verbreitet – alleine in Wien werden über 7000 Spritzen täglich getauscht. UND: in Deutschland gibt es 25 Drogenkonsumräume und keine zusätzliche Verfolgung. Es muss ein Umdenken auch bei der Polizei stattfinden.
2. Die Wiener Strassenszene sei zu klein – es braucht deswegen keine DRK
Nicht nur Menschen aus der Straßenszene würde Drogenkonsumräume nutzen. Selbst wenn es nur 40 Personen wären, würde sich ein Konsumraum auszahlen: in Holland gibt es solche Einrichtungen auch für kleine Personengruppen. DKRs bieten vielfältige Kontakt- und Weitervermittlungsmöglichkeiten. Sie sind ein ergänzender Baustein einer kommunalen Drogenhilfeinfrastruktur. Auch Menschen mit eigenen Wohnungen würden DRKs benutzen, weil die Sicherheit beim Konsum im Vordergrund ist. Viele Todesfälle durch Überdosierungen passieren deshalb, weil keine erste Hilfe geleistet wird und die Personen alleine konsumieren.
3. Gibt es Konsumräuem, wird die Polizei die Szene aus dem öffentlichen Raum in die DRKs verdrängen.
Alle Menschen brauchen Räume um sich zu treffen und sich auszutauschen – das ist vollkommen legitim. Auch durch Konsumräume wird sich die Szene nicht auflösen. Offene Szenen werden nie vollkommen verschwinden, sie werden höchstens von einem Ort an den anderen verdrängt. Natürlich ist zu hoffen, dass die repressiven Maßnahmen weniger werden. Es entstehen dabei hohe Kosten die im Gesundheitsbereich dringender gebraucht werden.
4. Konsumräume sind problematisch, weil die Exekutive Besucher per Gesetz perlustrieren müsste und das Angebot so gar nicht genutzt werden könnte.
DKRs sind eine win-win-Situation für Polizei und Drogenhilfe: sicherheits- und gesundheitspolitisch sind sie ein Gewinn. IN Deutschland unterstützt die Polizei DKRs massiv (z.B. Frankfurt, Münster etc.)
Zur Rechtslage siehe außerdem den Artikel zur rechtlichen Dimension von Konsumräumen. Natürlich wäre eine gesetzliche Absicherung wünschenswert – so wie der §10a des deutschen Betäubungsmittelgesetzes.
5. Konsumräume funktionieren nur, wenn in der näheren Umgebung Drogen verkauft werden. Ein Junkie kauft beispielsweise nicht in Floridsdorf Drogen, und fährt dann in den ersten Bezirk um sich seinen Schuss zu setzen.
Auch jetzt nehmen KonsumentInnen ihre Verantwortung wahr und bewältigen lange Wege um ihre Spritzen zu tauschen. In Wien gibt es derzeit nur zwei Spritzentauschstationen. Trotzdem steigt die Anzahl der abgegebenen Bestecke. Natürlich braucht es für eine Großstadt wie Wien mehrere Drogenkonsumräume – aber auch nur einer wäre ein Anfang und ein Gewinn!!!
6. Konsumräume seien nicht innovativ
Müssen sie auch nicht sein – ihre Wirkung ist wissenschaftlich bestätigt. Literatur gibt es genug, auch staatliche Institutionen in der Schweiz, Deutschland und Kanada haben die Sinnhaftigkeit von DRKs belegt. Literatur findet ihr bei unserer Mediensammlung.
7. Der Effekt von Konsumräumen wäre zu gering – z.B.: bei der Senkung der HIV- Infektionsrate
Es geht nicht nur um HIV. Es geht um Ansprachemöglichkeit, HCV/HBV-Prophylaxe, Mortalitätsprophylaxe, Einübung hygienischer Verhaltensweisen etc. Ein DRK ist nicht nur eine weitere Injektionsmöglichkeit!
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